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8. Aug. 2008

je kleiner, desto bissiger

aktualisiert am 10. Juli 2008 | Spiegel Online / Holger Dambeck

 

dpa)
Laut einer US-Studie sind Dackel bissiger als Pit Bulls (Foto: dpa)  

Sind Pitbull-Terrier tatsächlich extrem aggressiv? Oder andere Rassen viel beißfreudiger? Hundehalter, Politiker und Forscher streiten seit Jahren über diese Fragen – eine neue Studie über Dutzende Züchtungen gibt nun Klarheit und kommt zu verblüffenden Ergebnissen. Ein Wanderer steht an einer Weggabelung. Aus beiden Richtungen kommt ihm je ein freilaufender Hund entgegen. Bei dem einen handelt es sich um einen Dackel, der andere ist ein Rottweiler. Welchen Weg sollte der Wanderer, der um Hunde am liebsten einen großen Bogen macht, am besten nehmen?

Dackel greifen eher an

 

Glaubt man der neuen Statistik von Forschern der University of Pennsylvania, müsste der ratlose Fußgänger frohen Mutes dem Rottweiler entgegenlaufen. Denn das Risiko, von ihm angegriffen zu werden, ist deutlich geringer als bei einem Dackel. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Befragung von Tausenden Hundebesitzern in den USA, die James Serpell und seine Kollegen von der School of Veterinary Medicine durchgeführt haben. “Die höchsten Rate von Aggressionen, die sich gegen Menschen richten, besteht bei kleineren Rassen”, schreiben die Forscher im Fachblatt “Applied Animal Behaviour Science”.

Vorurteile gegen bestimmte Hunderassen

 

Die Frage, ob es besonders aggressive oder besonders gefährliche Hunderassen gibt, ist keineswegs neu. Eine seriöse Antwort darauf fällt jedoch auch nach Jahren der Debatten und der Forschung schwer. Das räumen auch Serpell und seine Kollegen ein. Sie kritisieren zugleich die bestehenden Vorurteile gegenüber einer Rasse wie dem American Pitbull Terrier, die angeblich besonders gefährlich für Menschen sein soll.

 

Welchen Charakter hat der Hund?

 

Die Studie basiert auf einem umfangreichen Fragebogen, in dem Hundehalter unter anderem Details über selbst erlebte Angriffen auf Fremde, Mitglieder der Familie und andere Hunde angeben sollten. Zudem fragten die Tierforscher nach Eigenheiten der Hunde, um aus den Antworten auch Rückschlüsse auf deren Charakter ziehen zu können – etwa wie sehr sie sich vor unbekannten Personen oder anderen Hunden fürchten.

 

45 Hunde je Rasse

 

1.500 Mitglieder von Hundezuchtvereinen aus den USA beteiligten sich an der Studie, dazu kamen noch mehr als 8.000 Hundebesitzer, die den Fragebogen online ausfüllten. Wegen der Vielzahl von Hunderassen mussten die Forscher eine Mindestanzahl von Tieren festlegen: Erst wenn für eine Rasse wie Dobermann oder Deutscher Schäferhund mehr als 45 Bögen vollständig ausgefüllt vorlagen, schaffte sie es in die Auswertung.

 

Klein und bissig

 

Die Statistiken verblüffen, etwa jene der Online-Befragung: Als mit Abstand aggressivster Hund gilt demnach der Dackel. Immerhin 20 Prozent der Besitzer berichteten über Angriffe auf Fremde. Auf Platz zwei landete mit 16 Prozent eine weitere kleinwüchsige Rasse: der Chihuahua. Die gefürchteten American Pitbull Terrier landeten mit 6,8 Prozent auf Rang sieben. Bei drei Rassen, darunter der Sibirische Husky, liegt die Angriffsquote gar bei null Prozent. Die Teilnehmer gaben keine einzige Aggression gegen Menschen an.

 

Beagles sind besonders bissig

 

Der Dackel schaffte es übrigens auch bei den Angriffen auf den eigenen Besitzer oder dessen Familienmitglieder weit nach oben: Mit sechs Prozent kam er auf Rang zwei, geschlagen nur vom Beagle (acht Prozent). Insgesamt greifen Hunde jedoch Personen aus ihrem Umfeld deutlich seltener an als Fremde: Statt 4,7 Prozent liegt die Quote nur bei 1,7 Prozent (gemittelt über alle 3.800 Hunde der Online-Befragung, die in die Auswertung kamen).

Wo ist das Herrchen?

 

Dackel, die laut der US-Statistik am bissigsten sind, tauchen in den hiesigen Statistiken gar nicht auf – sie zählen nicht zu den großen Hunden, um die es in den Hundegesetzen der Länder geht. Die deutschen Beißstatistiken sind nicht nur deshalb ebenfalls mit Vorsicht zu genießen: Niemand weiß, wie viele Schäferhunde oder Pitbulls es in einem Bundesland tatsächlich gibt, da die Behörden nur auf die Statistik der gemeldeten Hunde und Schätzungen zurückgreifen können. Zudem wird nicht jeder Angriff gemeldet und als solcher erfasst.

 

Wie der Halter so der Hund

 

Der Wandersmann, der sich zwischen Rottweiler und Dackel entscheiden muss, ist trotz der neuen Studie von der University of Pennsylvania fast genauso schlau wie vorher: Er hat die Wahl zwischen einem Hund, der ihn zu Boden werfen könnte, und einem Dackel, der mit größerer Wahrscheinlichkeit angreift, aber vergleichsweise harmlos ist. Um eine wirklich gute Entscheidung treffen zu können, müsste der Wanderer eigentlich die Besitzer der Hunde kennen – und diese sollten auch in der Nähe ihrer Tiere sein. Denn schon 2003 ergab ein Vergleich von Wesenstests bei fünf Hunderassen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover: Der Halter hat entscheidenden Einfluss darauf, wie aggressiv ein Hund wirklich ist.

 

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